Dienstag, 3. November 2026
Filmstelle, Zürich
filmstelle.ch
Bit-Tuner (Elektronik)

In seinem ersten längeren Film setzt Eisenstein sein am Theater entwickeltes Konzept einer Montage der Attraktionen erstmals im Kino um. Der didaktische, bewusstseinsbildende Ansatz wird von der avantgardistischen Ästhetik einer dynamischen Bildmontage getragen. Ein Paradebeispiel dieser Art des Schnitts ist die Darstellung der Zerschlagung des Streiks der ausgebeuteten Arbeiter. In einer rasanten Engführung werden Bilder vom Massaker an den Streikenden mit Aufnahmen aus einem Schlachthaus konfrontiert. In enger Zusammenarbeit mit seinem Kameramann Eduard Tissé, einem Meister exzentrischer Perspektiven, führt Eisenstein sein Publikum vom rein affektiven Erfassen des Gezeigten hin zum intellektuellen Verständnis der dargestellten Zusammenhänge. Auf keinen Fall soll der Zuschauer durch Einfühlung in Einzelschicksale vom wirklichen Ziel abgelenkt werden: der politischen Bewusstwerdung der proletarischen Massen.
Vertont wird dieses durch den überragenden Erfolg von Panzerkreuzer Potemkin etwas zu Unrecht in den Schatten gestellte Meisterwerk vom Live-Elektroniker Bit-Tuner, dessen Musik sich in einem breiten Spannungsfeld bewegt, das von experimentellem Hip-Hop über Post-Dubstep und Electronica bis hin zu Techno, Ambient und Noise reicht. Mit einer Flotte analoger Effektgeräte sowie MPC-Sampler bewaffnet lässt er schwere, repetitive Rhythmen auf massive Basswände treffen, begleitet vom Knistern alter Schallplatten, Samples aus obskuren Filmen und eigenen Field Recordings. Die perfekte Mischung, um Eisensteins bildgewaltigem Film auf der akustischen Ebene gerecht zu werden.
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