Donnerstag, 15. August 2024

IOIC Fitzcarraldo Tour

El Paradero Cultural, Lince - Lima
www.facebook.com/elparaderocultural

19:00

IOIC Fitzcarraldo Ensemble, Constanza Pellicci (Stimme), Mara Miccichè aka Iokoi (Stimme, Elektronik), Linda Vogel (Harfe, Stimme), Marina Mello (Harfe), Thelmo Cristovam (Altsaxophon), Bit-Tuner (Elektronik), Maurico Moquillaza (Charango, Elektronik), Gonzalo Mavila (Gitarre)

Ein grosses Mosaik der modernen Künste

Ein Jahr vor der Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes von 1925, die den Begriff der Art déco ins Leben rufen wird, setzt Marcel L’Herbier zu einem grossen Wurf an. Mit „L’Inhumaine“ erschafft er gemeinsam mit herausragenden Künstlern seiner Generation eine Synthese aller Künste, wie sie der Theoretiker Ricciotto Canudo vom Kino gefordert hatte. Sein Manifesto für die moderne französische Kunst und Technologie vereint Design von Alberto Cavalcanti, Claude Autant-Lara und Fernand Leger, Architektur von Robert Mallet-Stevens, Kostüme von Paul Poiret, Möbel von Pierre Chareau and Michel Dufet, Ballett von Jean Börlin und unterdessen verloren gegangene Musik von Georges Antheil und Darius Milhaud zu einem grossen Gesamtkunstwerk.

Geprägt von einer Ästhetik des Mechanischen, einer ins Abstrakte führenden Montage, einer Fragmentierung der Objekte und vom Traum einer panoptischen Vision gibt der Film nicht nur beredtes Zeugnis darüber, wie sich diese bedeutende Schar an Künstlern aller Disziplinen die Vereinigung von Moderne und Technologie vorstellt, sondern auch wie der französische Universalismus der 1920er Jahre die Kategorien des Menschlichen und Unmenschlichen inszeniert. So findet die Verkörperung der Unmenschlichkeit, die Operndiva Claire Lescot, erst zur Menschlichkeit zurück, als sie vom Wissenschaftler Einar Norsen in die fantastische Welt der neuesten Technologie eingeführt und schliesslich wortwörtlich zu neuem Leben erweckt wird.

Das IOIC zeigt den Film mit einer neuen Vertonung. Das sechsköpfige IOIC Fitzcarraldo Ensemble mit improvisierenden Musikern verschiedener Genres – Klassik, Jazz, Pop und experimentelle Musik – wird die beiden zentralen Themen des Films musikalisch umsetzen: Technologie vs. Moderne und Menschlichkeit vs. Unmenschlichkeit. Dabei kommen neben traditionellen und modernen Instrumenten auch diverse selbstgebaute elektronische Geräte zum Einsatz, die als Erweiterungen des menschlichen Körpers dienen und eigens für diese neue Vertonung konstruiert worden sind.

"Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können". Mit diesem Satz charakterisierte Francis Picabia eine Zeit, in der die Welt in Trümmern lag und eine junge Bewegung von Künstlern auch die Kunst in Trümmern sah. Also überlegten sie alles neu, machten alles anders, natürlich auch im neuen Medium Kino. Die überwältigenden Bildkaskaden des Künstlers Fernand Leger in "Ballet mécanique", das in diesem Programm die Ouvertüre zu "L’Inhumaine" bildet, sind beredtes Zeugnis dieses unbändigen Willens, die neue Kunst wie ein Phönix aus der Asche wieder auferstehen zu lassen.